Eine Odyssee!!! GESCHAFFT!… Autokauf auf fremdem Terrain…

Nun wird auch diese Erfahrung niedergeschrieben und wer meint, ich schreibe zu viel in diesen Text, der soll erst mal herkommen und es besser machen :)

Also das waren die ersten Versuche, da fand ich’s noch lustig, Witze zu machen…

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Mit der Autosuche begonnen haben Phil und ich im Internet Anfangs August, also nach ca 5 Wochen Sprachkenntnis. Zusätzlich habe ich in der Schule meine Lehrer und Mitschüler gefragt, ob sie jemanden kennen oder mir weiterhelfen können. Ein Lehrer hat dann mal seinen Bekannten gefragt, jedoch ohne Erfolg, sowie auch die Anderen nicht weiterwussten. Zusätzlich habe ich ein kleines Inserat ins lokale Netz gestellt mit meinem wunderbaren spanisch. Ging keine 2 Tage schrieb mir ein netter Herr, ob ich MICH wirklich gegen ein Auto eintauschen möchte, da ich „busco a un auto por mi“ geschrieben hatte, was soviel heisst wie „ich suche Auto im Tausch gegen mich“. Naja, so lernt man auch spanisch :) Zusätzlich habe ich immer wieder auf der Strasse geschaut, weil bei ganz vielen Autos irgendwo auf die Scheiben geschrieben steht „se vende = verkauft sich“ . Nachdem ich mich in der Stadt beim Autosuchen verlaufen hatte (insgesamt 5h Marsch), fand ich schliesslich diesen grünen Grand Cherokee, der mir gut und sinnvoll erschien. Nummer aufgeschrieben und ab zu Mecky nach Hause um da anzurufen (12. August).

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Mechy mahnt mich erst mal, „das Auto sei sicher gestohlen, da müsse man aufpassen, keinem vertrauen etc.“ Erst mit Nachdruck und bösem Blick in den Augen rief sie dann widerwillig doch da an und machte ihre Arbeit richtig gut. Am nächsten Tag fragte ich bei Gabriela (meiner Einheimischen), die mir bisher auch keine Auto-Tipps geben konnte, nach der Adresse ihres Mechanikers, damit ich das gefundene Auto auf Herz und Niere prüfen lassen konnte. Problem: Die Adresse ist ziemlich abseits der Stadt und schon zu weit für eine Probefahrt. Sonst hatte mir keiner eine Adresse eines Mechanikers. Auch meine unvermeidlichen Dates und Ausgangsbekanntschaften konnten mir nicht weiterhelfen. Und um Leute auf der Strasse anzusprechen reichte mein spanisch schlicht und einfach noch nicht.

So besuchte ich erst mal das schweizer Konsulat um mich über grundsätzliche Möglichkeiten zu informieren um allfälligen Unannehmlichkeiten frühzeitig ausweichen zu können. Das Schöne war, dass der nette Herr am Schalter "berndütsch" gesprochen hat :) Er nahm mir jedoch zugleich alle Hoffnung mit den Worten "das kannst du gleich vergessen, unser Chef (auch Schweizer) hat nun 7 Monate gebraucht um sich ein Auto zu kaufen und dies obwohl er hier lebt und einen Wohnsitz hier hat". Er konnte mir keine Tipps geben und keine Möglichkeiten aufzeigen, wie ich vorzugehen habe. Davon nicht etwa entmudigt, sondern erst recht angetrieben, ihm das Gegenteil zu beweisen, fragte ich mit mehr Nachdruck nochmal in der Schule nach Möglichkeiten.

So gab mir endlich die Chefin der Schule (Anika) eine Rettungsleine und sagte mir, ihr Mann Antonio sei Anwalt und könne mir evt helfen, koste 400 Arg. Pesos (und das ist wirklich mega günstig für einen Anwalt = Freundschaftspreis). Mit diesem traf ich mich auch gleich einen Tag später (18. August), schliesslich wollte ich diesen grünen Grand Cherokee. Der Anwalt schrieb mir Folgendes auf (man vergesse nicht, dass das Gespräch in spanisch stattgefunden hat, ca 1h war ich bei ihm und wollte seine kostbare Zeit nicht noch unnötig verlängern):

Vor der Einwilligung zum Kauf:

-     Preise und Autozustände vergleichen

-     Mit einem Mechaniker das Auto generell checken

-     Den Kaufpreis festlegen

-     Normalerweise bezahlt man eine Abfindung (100 U$$) und lässt sich Kopien der Papiere aushändigen

Benötigte Infos um mit den Formalitäten beginnen zu können:

Daten des Autos

-          Patent / Model / Marke etc

Daten des Verkäufers

-          Name, Dokus, Festnetznummer (sei ganz wichtig: wieder ein Zeichen schlechten Vertrauens)

Daten vom Käufer (also von mir)

-          Name, Nachname, Pass, Zivilstand etc.

-          Kaufpreis

-          Kopie Fahrzeugausweis

-          Kopien der Patente

Verfahren vor dem Zahlen (macht der Anwalt): 

-          Infos beim Autoregisteramt einfordern

-          Infos über Autoinhaber

-          Infos über Schulden

-          Bussenregister

-          Verifizierung des Autos

Beim Zahlen :

-          Unterschreiben des Formular 08 im Amt für Fahrzeuge (Verkäufer und ich / also weder Autoeigentümer noch mein Anwalt)

-          Unterschreiben der persönlichen Dokumente (Haftpflicht etc)

-          Schlüssel- und Autodokumentenübergabe

-          Zahlen des Autos

Nach dem Zahlen :

-          Haftpflicht und Diebstahlschutz überprüfen (das Auto muss zur _LA CAJA gebracht werden)

-          Der Fahrzeugschein (grüne Karte) erhalten 

Das war also mein erster Anhaltspunkt. Einer Privatperson soll man zudem grundsätzlich nicht vertrauen, ich solle mir eine Vertretung suchen, meinten alle gutwollend, da es sehr viele gestohlene Autos gäbe, die dann günstig an „dumme“ Ausländer verkauft würden. So war ich erst mal durch die vielen Infos überfordert und enorm verunsichert. Deshalb verwarf ich den grünen Grand Cherokee wieder und liess das Ganze erst mal im Kopf sacken. Nachdem ich einige Stunden Autos im Internet verglichen hatte, stach schliesslich dieser blaue Chevrolet Blazer aus der Reihe, scheint alles bestens, scheint ein Verkäufer zu sein, der gerne reist und dem Auto Sorge trug. Jedoch alles Interpretation. Also schickte ich meinem Anwalt die Daten (31. August), dieser rief dort kurzerhand an und vereinbarte ein Treffen für mich (Mittwoch 7. September).


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Am Mittwoch war’s soweit, fühlte mich sehr unwohl, da der Besitzer ausserhalb der Stadt wohnt und ich noch nie so weit draussen unterwegs war. So fragte ich mal scheu bei „Checho“ nach (mein Amigo Argentino), ob er mich begleiten möchte. Dieser willigte sofort ein, er hätte mich eh nicht alleine gehen lassen, liess alles stehen und liegen und wir machten uns auf den Weg. Wir hatten „nur“ die Adresse und eine Ahnung, wo der Vorort von Buenos Aires liegt, mehr nicht. Checho fragte 4 ältere Herren (ca 60 aufwärts) nach dem Weg. Er meinte, man müsse immer Ältere fragen, da diese die Wahrheit sagen würden und den Weg besser kennen. Junge würden nicht zugeben, wenn sie es nicht wissen und dich einfach nach bestem Gewissen irgendwohin schicken (toll, wieder ein Indiz dafür, dass man Keinem vertrauen kann). Dann haben wir den Bus 103 genommen, wie uns empfohlen wurde. Es hat jedoch unterschiedliche Linien mit derselben Nummer. So standen wir halt ziemlich entfernt vom Ziel irgendwo in einem Stadtteil, wo’s kaum noch Taxies hat. Da lernte ich wieder etwas enorm Wichtiges von Checho. Erst fragten wir auf der Strasse 2,3 Leute nach dem Weg, was nicht klappte. Dann meinte er, wir müssen am nächsten Kiosk nach einer „Remisería“ fragen, die Kioskbesitzer kennen sich gut aus in ihrer Umgebung. Gesagt – Getan, 1 Häuserblock entfernt sei so eine Remi-Station. Von Aussen sind diese jeweils nur ganz kümmerlich oder gar nicht angeschrieben und sind die Taxi-Stationen (privatisiert) in der Peripherie von Buenos Aires und auf dem Land, damit die „Chnuuschtis“ noch etwas dazuverdienen können. Man fragt erst, ob sie deine Zieladresse anfahren, dann den Preis (ca die Hälfte von dem was ein Taxi kosten würde, und das ist schon billig). Dann wirst du mit einer alten Blechschwarte über Stock und Stein zum Ziel gefahren, echt amüsant :)

 

Weder Checho noch ich verstehen etwas von Autos, doch einen Mechaniker auf gut Glück mitzunehmen beim ersten Besichtigen des Autos empfanden wir für zu aufwändig. Das Auto scheint in Ordnung, die Papiere auch, macht alles einen tollen und souveränen Eindruck. Der Eigentümer ist auch echt nett und scheint für sein Geld zu arbeiten und seine Sache gut zu machen. Er meinte noch, schon mit einem Schweizer umhergereist zu sein, was seinen Erzählungen zufolge auch so zu stimmen scheint. Weiter meinte er, dass zudem das Einbauen eines Gastankes möglich sei und wir nur sagen müssten, falls wir das möchten, das könne man problemlos kombinieren: Gas und Nafta per Knopfdruck umstellbar. Zum Abschied zeigten wir grosses Interesse und er sagte, noch 2 Interessenten zu haben, wir müssten uns noch vor dem Wochenende entscheiden. Aber das sagen sie ja immer um dich zu einem schnellen Kauf zu verleiten – dies bestätigte mir auch der Anwalt und weitere Leute (aber das macht man in der Schweiz ja auch:).

 

Mir gingen die Fragen über den Treibstoff nicht aus dem Kopf! Alle sagten sie mir, Gas sei viel billiger als Nafta (der Taxifahrer, der Lehrer in der Schule etc). Was ist Nafta? Das war mir schon beim Durchsuchen im Internet ein Rätsel (und doch fährt die grosse Mehrheit der Fahrzeuge hier damit): Es sei teurer als Diesel, dafür potenter (was auch immer das heisst). So ging ich halt zur nächsten Tankstelle und fragte mal nach den Preisen:

 

1 Liter Nafta = ~5 Arg. Pesos

1 Liter Gas = ~1.3 Arg. Pesos

 

Mit einem Tank im Wert von ca 230 Arg. Pesos käme man ca 500km weit, Nafta braucht man gute 15 Liter auf 100 km. Also riesen Unterschiede und zudem sei Gas umweltfreundlicher. Gas bedeutet aber auch, dass es im Inneren des Autos einen je nach dem grossen Tank hat, also eine Gasbombe (das mag ich Schisshase gar nicht!). Laut Internet sei das Einführen von Gasfahrzeugen in Bolivien problematisch, wenn nicht sogar verboten. Zudem gäbe es in vielen südlichen Teilen Südamerikas kein Gas, nur Nafte und umgekehrt im nördlichen Teil vielerorts nur Gas und kein Nafta. Ja was nun? Erklären konnte mir das Ganze dann doch keiner mit Sicherheit, auch an der Tankstelle nicht :(

 

So schrieb ich am Freitag 9. September (2 Tage nach der Besichtigung - Bedenkzeit) meinem Anwalt (Antonio), dass ich das Auto kaufen möchte und dass er doch bitte noch die Frage wegen dem Gas etc abklären solle. Ein paar Stunden später dann die Antwort, dass der Eigentümer mir das Auto mit Nebellichter und allem drum und dran gibt. Das Einbauen eines Tankes lohne sich nicht, das koste zu viel und sei unsicher, ob es dann auf der Reise dementsprechend Tankstellen gäbe etc. Also ein Mail mit vielen neuen Wörtern und neuen Fragen (wäre schön gewesen, einfach mal auf Deutsch nach den Fakten zu fragen, hmmm…).

 

Am Wochenende empfing ich Maria und erzählte vom Auto etc. Am Montag der Stress mit dem zu früh ankommenden Freund von Maria (siehe Tagebuch September) etc. Am Dienstag entschied ich mich, der Sache mit dem Gas auf den Grund zu gehen und bat Checho, mir bei einem Telefonat mit dem Verkäufer zu helfen um direkt nachzufragen und nicht Antonio weiter zu nerven mit dem Thema. Wir wollten wissen, wie teuer das Einbauen denn kommt, was er für Reiseerfahrungen und –tipps hat etc. Der Verkäufer spricht genau mal 3 Worte: „Hola!“ „Ya verndió“ = „Hallo, schon verkauft“. Ungläubig, aber zu spät am Tage bat ich die Leiterin der Schule (Anika) am nächsten Tag, doch bitte nochmal anzurufen und sich zu vergewissern, dass es kein Missverständnis sei. Gesagt – Getan: Nein, er hat das Scheissding tatsächlich schon verkauft, es sei einer gekommen, der gleich die Hälfte bezahlt habe.

 

So machte ich einen Plan, dem Eigentümer für das Auto den vollen Preis zu bezahlen und ihm das Auto nach der Reise zum halben Preis wieder zu verkaufen. Dann könne er Profit machen und der jetztige Käufer müsse halt noch etwas zuwarten. Falls das Auto unterwegs geklaut werde oder zu Schrott gehe, mache er keinen Verlust, da das Auto von mir bereits voll bezahlt wurde, er könne also nur gewinnen – und wir auch. Dies musste ich jetzt erst mal Anika erklären, damit sie das dem Verkäufer am Telefon erklären konnte (zum Glück ist Anika Schweizerin und spricht perfekt spanisch). Nun lernte ich wieder etwas Neues. Die Anzahlung hier nennt sich „seña“ und ist definitiv. Das heisst, wer eine seña bezahlt schliesst damit einen Vertrag ab, dass er das Auto kaufen will. Also nicht rückgängig zu machen.

 

Na gut, das Auto ist weg! Ein Abend zur Sau und genervt habe ich mich! Da habe ich mir doch so lange Zeit genommen, ein Auto auszuwählen und dieses schien wirklich gut zu sein. Na gut, was hat mich meine Grossmutti gelernt: Aus den Augen aus dem Sinn – und auf zu neuen Ufern. Sofort machte ich mir eine neue Liste und suchte wieder ca 4h im Internet, bis ich mir 14 mögliche Autos rausgeschrieben hatte (nach 3 Kafi-Schnaps:).

 

Auf die Schule konnte ich mich diese Woche überhaupt nicht konzentrieren, nicht ein einziges Mal habe ich die Hausaufgaben gemacht, dafür sehr sehr viel im Alltag gelernt, auch was die Sprache angeht – learning by doing. Inzwischen wurde das Autokaufen auch in der Schule zum Hauptthema um meine Person. So entschied sich mein Lehrer, mich zu begleiten auf das brasilianische Konsulat um allgemeine Abklärungen zu machen, ob zusätzliche Bewilligungen etc. für die Einreise nach Brasilien notwendig seien. Nach 3h Wartezeit (wegen extrem langer Mittagspause) und 30 Minuten Abklärung per Telefon und von Angesicht zu Angesicht (zum Glück mit Lehrer zur Übersetzung) meinten die Herrschaften dann, dass sie keine Ahnung hätten diesbezüglich, sie jedoch glauben, dass ich nichts benötige. Nur eine Gelbfieber-Impfung und deren Nachweis müsse ich dabei haben, aber für’s Auto wahrscheinlich nichts. Tolle Antworten!

 

Am Donnerstag 15. September besichtigte ich in der Stadt Autos (überhaupt nicht, was im Internet stand, oder dann wurden die brisanten, fehlenden Details schnell zum Problem). Wild entschlossen ein Auto zu finden und mit dem Wissen, dass die Zeit immer knapper wird, machte ich mich direkt auf den Weg zum nächsten Gewinner meiner Top10-Liste, wieder ausserhalb der Stadt.

Und hier das Foto des schönen weissen Schlittens, der Gewinner der Top 10-Liste!


Um die Spannung etwas aufrecht zu Halten und um zu zeigen, dass ich den Humor noch nicht ganz verloren habe.

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Unterwegs schrieb ich Checho, ob er mich auf halbem Weg treffen wolle. Wie schon gehofft willigt er sofort ein und unterstützt mich beim Autobesichtigen. Ich bin echt sehr froh darüber, nur schon wegen den Sprachschwierigkeiten und zur allgemeinen Sicherheit. Und es ist unglaublich, wie schnell die Argentinier sprechen und sie geben sich nur wenig Mühe, deutlicher oder langsamer zu sprechen. So machten wir eine kleine Runde mit dem Auto um’s Haus und der Verkäufer (diesmal immerhin eine Agentur) machte seinem Beruf alle Ehre und schnorr uns das Auto mit „impecable = tadellos“ förmlich auf. Das Auto hat Gas und Nafta kombiniert und bietet Platz zum schlafen, ist bequem zum Fahren und Beifahren etc. Zudem trägt es diverse Aufkleber von offiziellen Prüfstellen (die Checho obwohl er nicht Autofahren kann kennt), was heisst, das Auto ist geprüft und i.O. Das heisst: Sofort zugreifen. Ich wollte auch gleich die seña bezahlen (300-400U$$ = 250-350 sFr.). Doch leider habe ich Limiten beim Geld abheben, pro Tag 1000 sFr. und nicht mehr. Zudem kann ich am Bankomat nur jeweils 200 sFr. auf’s Mal rauslassen. Der nette Verkäufer sicherte mir zu, das Auto für den nächsten Tag für mich zu reservieren. Doch das ist natürlich wieder so eine wage Sache.

 

Also war ich schon ganz wie auf Nadeln. Zuerst rief ich die RaiffeisenBank an, warum diese Karte immer noch nicht funktioniere?!? Sie wissen es auch nicht. Danach bei der MasterCardGesellschaft, wieso ich solche Limiten habe und ob man diese auflösen könne?!? Nein, könne man nicht. Somit zahle ich bei jedem Abheben etwas mehr als 10 Fr., das heisst auf 1000.- ca 50 sFr. Auf 10‘000 Dollar also etwa 500 sFr. die flöten gehen und zudem brauche ich 10 Tage um das Geld rauszulassen. Also schrieb ich sofort (Donnerstag, 15. September) meinem Vertrauensmensch (Carol) in der Schweiz, er solle mir sofort 10‘000 Dollar (= ca 8.700 sFr.) per WesternUnion schicken. Das kostet aber leider 5%, das heisst, ca 500 sFr. Und das nur für die Transaktion des Geldes. Zudem habe ich nur 1 MasterCard und diese trage ich immer auf mir, was bedeutet, dass Carol in der Schweiz gar nicht an mein Geld herankommen kann. Also fragte ich meine Gastmutter und Anika, ob ich das Geld evt auf ihr Konto überweisen könne und sie es hier dann für mich abheben können. Das lehnten beide ab, da die Banken hier genau deklariert haben wollen, warum wie was wo etc… „Qué mierda!!!“ Dann hast du Geld auf der Kasse, kommst aber nicht dran, das ist auch ganz schön deprimierend.

 

Folgendermassen habe ich mich entschieden: Feriengeld in Dollar, das ich mitgenommen hatte, musste jetzt für die seña hinhalten und Phil, mein Amigo aus der Schweiz, der am Donnerstag 22. September in Buenos Aires ankommt, nimmt das restliche Kleingeld mit. So bin ich am Freitag (16. September) ganz alleine nochmal zum Verkäufer und sicherte mir das Auto. Doch ob es nun gut ist oder nicht weiss ich immer noch nicht?!? Er machte mir von allen benötigten Unterlagen eine Kopie, die ich noch am selben Tag zu Antonio brachte. Alle sagen mir, ich solle niemandem vertrauen, jeder misstraut dem Nächsten, die haben alle eine leichte Neurose diese Argentinier, aber irgendwoher muss das ja kommen. Also ist mein Grundgefühl beschissen, unsicher, unzufrieden und dies kann ich nun auch nicht mehr verstecken!

 

Am Donnerstag ist in unserer Wohnung ein Mexikaner eingezogen. Er scheint etwas von Autos zu verstehen, sei im Handel tätig und kennt sich mit Preisen und Waren aus. So zeigte ich ihm beiläufig die Bilder vom Auto auf meiner Kamera. Er vertraut der ganzen Sache nicht und sagt mir durch die Blume, dass es absolut überteuert sei und zudem viele Mängel aufweise. Mecky mahnte mich ebenfalls nochmals „aufzupassen beim Autokauf“, da platzte mir der Kragen am Freitag Abend! Mein Bruder hat sein Versprechen, die Fotos anzuschauen (noch vom blauen Chevrolet) und eine Meinung per Mail zurückzusenden nicht eingehalten. Phil spricht mir ins Gewissen, auf jeden Fall den Preis um mindestens 25% runter zu märten, reagiert aber auch nicht auf die per Mail geschickten Fotos vom Auto, obwohl mir diese Meinung extrem wichtig gewesen wäre. Alle geben mir lauter gutgemeinter Ratschläge, Stop-Schilder, Rotlichter und erhobene Zeigefinger, aber aktuell reicht mir niemand der ach so weisen Leute die Hand und unterstützt mich sinnvoll, weder Mecky, noch ihre Söhne, noch die Lehrer etc. Nur immer schlecht reden über die Anderen, anstatt mir wenigstens mental den Rücken zu stärken!!! Nun fühlte Mecky sich endlich doch mitverantwortlich und redet kurzentschlossen mit dem neu eingezogenen Mexikaner (Andres), ob er mich am nächsten Tag nicht begleiten würde um das Auto in Realität nochmals anzuschauen, da es mir nicht aus dem Kopf ginge, dass da was faul sein könnte.

 

Von zu Hause (aus der Schweiz) kommt ein grosses Vertrauen von Phil, aber auch eine riesen Skepsis, dass die Menschen hier „nur“ hinter dem Geld herseien (ach, Schweizer haben’s ja), man müsse den Preis drücken so weit als möglich. Carol meint, das Auto sei einfach mega teuer, aber sicherlich gut soweit (wobei man nicht vergessen darf, dass ich vor einem Monat, als der Wechselkurs zum Dollar auf dem Tiefstpunkt war, Geld wollte, wodurch wir nun 1500 sFr., nach Abzug der 500 sFr. Transaktionskosten, die wir durch WesternUnion gehabt hätten, Verlust gemacht haben). Zudem verstehe ich nun mal wirklich nichts und nochmal nichts von Autos, zu allem Hin auch noch in einer Fremdsprache, die ich nun erst knappe 2.5 Monate spreche und noch bei weitem nicht in ihren Tücken und Finessen beherrsche. Der Mexikaner hat sich die Fotos angeschaut, die ich beim Besichtigen des Autos gemacht hatte und meint, in Mexiko wäre das „Müll“ und durch die Länderabkommen zwischen Mexiko und USA somit vielviel günstiger, 2000-3000 sFr. Hierzulande habe ich ja aber natürlich im Internet verglichen, sowie diverse Leute gefragt und das Preis-Leistungs-Verhältnis ist absolut normal.

 

Also sind Andres und ich am Samstag (17. September) nochmals nach „Caseros“ (so heisst das Kaff wo das Auto steht) gefahren, und haben 1,5h lang einen Mechaniker gesucht und schlussendlich auch gefunden! Nur noch ganz wenige Geschäfte hatten offen, und Andres kann glücklicherweise bestens spanisch (da Mexikaner) und konnte das souverän arrangieren, dass der Mechaniker (Gustavo) uns auch gleich zum Verkäufer begleitete. Ein Lichtblick! Uns war wichtig, dass es nicht gleich die besten Freunde sind, die sich da treffen, sonst wäre wieder ein fader Beigeschmack vorhanden, von wegen dass die beiden gemeinsame Sache machen. Gustavo scheint wirklich sehr nett, schöpfe gleich Vertrauen zu ihm, man nennt dies hier „buena onda = gute Welle“. Leider war das Auto bereits aus der Garage und wurde an einem anderen Ort zwischengelagert und sie wollten Wochenende machen, sodass wir bis Montag warten müssten.

 

Am Montag (19. September) ging ich dann auf Anweisung des Anwalts Antonio erst mal zur AFIP (jetzt kommt der ganze Papierkrieg – ein Ausländer will ein Auto kaufen), ein öffentliches Amt um mich zu registrieren, so eine Art Aufenthaltsbewilligung. Diese wiederum leicht genervte und sich zum zehntausendsten mal gegenüber Ausländern wiederholende Mitarbeiterin bat mich dann in ihrem (un-)freundlichen Ton, erst bei der Polizei vorbeizuschauen und eine „Domizil-Bestätigung“ einzuholen etc. Bei der Polizei (am selben Tag) dann mal wieder ein echt netter älterer Herr, der noch ein paar Worte deutsch bröckelte und mächtig stolz darüber war und sich sehendlich freute, einen Schweizer am Schaler zu haben meinte dann, am Dienstag sei der Brief im Briefkasten des Anwalts, da könne ich ihn dann abholen und mit dem Blatt wieder zur AFIP, dann sollte das klappen.

 

Am Nachmittag hatte dann weder Anders noch Checho Zeit, mich nach Caseros zu begleiten. Das heisst, ich war auf mich alleine gestellt. Erst telefonierte ich mit der Agentur, dann mit Gustavo (Mechaniker) um den Zeitpunkt auszumachen für die Testfahrt etc. (Telefonieren ist immer eine riesen Herausforderung in einer fremden Sprache und ja, bin stolz darauf, das hingekriegt zu haben, alleine!) :)

 

Auf der Hinfahrt dann den richtigen Bus, doch die falsche Linie erwischt, obwohl ich beim Einsteigen extra gefragt hatte. Der Chauffeur gab dann wenigstens im Nachhinein zu, dass er es vergessen hatte, dass ich in ein anderes Dorf wollte als wo sich sein Ziel (Mittagessen) befand. Also verbrachte ich noch ein Weilchen auf dem Busbahnhof und wartete auf eine folgende Verbindung (ich war ja sowieso 3h zu früh unterwegs, aus genau dem Grund).

 

Schlussendlich dann um 17 Uhr mit Gustavo und Ariel (Verkäufer) vor der Agentur um das Auto auf Herz und Niere zu testen. Gas funktioniert, Nafta jedoch nicht, auch nach schrauben und drehen nicht. Es scheint jedoch keine Absicht gewesen zu sein vom Verkäufer. Doch ein etwas mulmiges Gefühl hatte ich schon. Gustavo hingegen ist wirklich sehr, sehr nett und endlich mal eine Person, die sich für unsere Reise interessiert und fragt, wo wir denn durchfahren wollen und sich Gedanken über die Tankstellen macht und dem Verkäufer mit Nachdruck zu verstehen gibt, dass das Auto auch wirklich funktionieren muss, da wir weit abseits der Zivilisation sein werden. Die Räder seien ausreichend für 25‘000 geplante km über Pampa, Wüstensand und Gebirgsblöcke, die Federung sei in Ordnung, Motor läuft und der Preis alles in allem gerechtfertigt. Er habe ein gutes Gefühl und ich somit auch. Gustavo erinnert mich an meinen Bruder (vom Aussehen her, einfach ein paar Jahre älter, ca 35), womit ich automatisch mehr Vertrauen empfinde. Ich hoffe und wünsche mir, dass ich damit nicht falsch liege. Mit gutem Gefühl und stark beruhigt machte ich mich auf den Heimweg.

 

Am Dienstag (20. September) verbrachte ich nach der Schule dann erneut eine volle Stunde beim Anwalt, das Formular der Polizei ist pünktlich eingetroffen. Die Gelegenheit nutze Antonio, um mir weitere Infos zu geben (mit denen er mich bisher verschont hatte). Das Auto „kaufen“ ist die eine Sache, das „verkaufen“ die andere. Für das „Verkaufen“ muss ich ein „Formular 08“ blanco unterschreiben, was Antonio bemächtigt, das Auto für mich zu verkaufen und mir das Geld dann zu schicken, sobald alles abgehandelt ist – also wieder eine riesen Vertrauenssache (beider Seiten) und tolle Dienstleistung von Seiten Antonio’s.

 

Das „Kaufen“ ist in vollem Gange: für Donnerstag (wenn auch Phil zeitgleich am Flughafen ankommt) hat Antonio den Termin mit Ariel (dem Verkäufer) festgelegt um zur offiziellen Kontroll-Stelle zu gehen, wo geprüft wird, ob Auto und Eigentümer echt sind und nichts als gestohlen gemeldet ist.

 

Danach bin ich direkt mit dem Formular der Adressbestätigung der Polizei erneut zur AFIP gegangen. Diesmal hat alles funktioniert und so erhielt ich die CDI, ein Formular zur Bestätigung meiner Existenz in Argentinien und dass ich hier keine Arbeit etc. ausübe. Ohne dieses Formular könne ich in Argentinien weder etwas kaufen noch verkaufen. Diese CDI (Clave De Identificación) benötige ich am Donnerstag bei der Prüfstelle.

Am Mittwoch (21. September) ging ich nach der Schule zur Absicherung auf's bolivianische embajada, die mich mit meinen Fragen ans bolivianische Konsulat weiterleitete (also nochmal 1h durch die Stadt spaziert bis ich da ankam). Dort eine riesige Warteschlane, wo ich dann schlussendlich zu einem netten Mann mittleren Alters gelang, der mir folgendes sagte: Wenn die Autopapiere auf meinen Namen lauten, werde ich frei durch Südamerika reisen können. Die Aufkleber für Auto und GNC (Gas) müssen stimmen und das Auto bei der Polizei etc abgesegnet werden, dann werde ich keine Probleme haben." Um das auch noch von Seiten der Polizei abzusichern bin ich nochmals auf dem Polizeiposten vorbeigegangen und dies wurde mir bestätigt.

Am Donnerstag bin ich dann Phil gleich nach der Schule am Flughafen abholen gegangen, ein kalter Tag, und ein Tag ohne Autostress, da der Verkäufer den "Test-Besuch" auf Freitag angesagt hat, da das Auto noch nicht fertig sei. Phil hat das gesamte Geld für die Bezahlung des Autos in sFr. mit nach Buenos Aires genommen. Der Verkäufer nimmt aber nur Dollar oder Arg. Pesos. Also haben wir schnellstmöglich ein "casa de cambio" (Wechselstube) aufgesucht, Wechselkurs 4.1 Arg. Pesos für 1 sFr. Das ist weniger als zu dem Tag, an dem ich die Schweiz verlassen hatte. Vor 3 Wochen war der Kurs noch auf 5.3 Arg. Pesos für 1 sFr. Demotiviert und frustriert liessen wir dieses Geschäft erst mal warten.


Am Freitag (23. September) fuhr der Verkäufer uns durch die Strassen, der erste Eindruck für Phil und dieser scheint zufrieden. Auf einer Müllhalde (in Deutschland nennt man es "Tüff" und in der Schweiz "Strassenverkehrsamt, hier kann man es nur als "Müllhalde" betiteln) findet der Check statt, ob Chassie, Motor, Besitzer und einige Details auch zusammenpassen. 150 Arg. Pesos (ca 35 sFr) hat's gekostet und das war's. Heute Abend soll dann der Kollege des Verkäufers (Mechaniker) noch das Schloss am Kofferraum befestigen, zur Zeit fehlt diese noch.

Samstag und Sonntag waren tote Tage für's Autokaufen.

Montag (26. September), der Tag, an dem wir ursprünglich geplant hatten abzufahren, war vollgepackt mit Autostress. Erst auf die "Banco Piano" (Tipp von der Anika, der Chefin der Schule, dass da der beste Kurs für sFr. sei) um 10'000 sFr. (also 10 Noten) zu wechseln. Nachdem sie unsere Pässe kontrolliert und kopiert haben, die Noten x-mal gedreht und dann doch den Herrn am Nachbartisch gefragt haben, ob die nun echt seien oder nicht, meinten sie dann, wir können pro Person nur 4000 sFr. wechseln. Gesagt - Getran. Der Wechselkurs war 4.5 Pesos pro sFr., also 36'000 Arg. Pesos. Dann ab nach Caseros zum Verkäufer mit über 2h Verspätung. Mit Pesos und Dollar kamen wir noch nicht auf den vollen Betrag und nur mit viel Überzeugungsarbeit rechnete er uns schlussendlich den 1000-Franken-Schein an (zu einem Kurs von 4.7 Pesos, da ich darauf beharrte, dass der Kurs auch dem entspreche). Danach erklärte er uns nochmals alle Funktionen am Auto.

Dann fuhren Phil und ich die ersten Meter ohne Begleitung - tolles Gefühl - wow!!! - das Auto gehört uns, und die netten Leute des schweizer Konsulates haben doch gesagt, es sei überhaupt nicht möglich etc... - äääätsch!!! Am Morgen liefen zudem sehr viele Telefonate mit Anwalt wegen Zahlung des Autos, dann wegen der Versicherung, dass wir um 3 Uhr einen Termin mit der Versicherung hätten um das Auto gegen Schaden und Diebstahl zu versichern (und wo? - bei der "Zürich"-Versicherung - toll). Dann haben wir uns aber spontan für einen eigenen Plan entschieden und wollen erst das Auto reisefertig machen, sprich, Nebellichter müssen noch ran, Scheibenwischer austauschen, Räder (laut Verkäufer 1 Jahr alt, laut Automechaniker des Vertrauens 10 Jahre alt mit Beweis-Schriftzug auf den Pneus, den uns der Verkäufer nicht zeigen konnte - oder nicht zeigen wollte) kontrollieren, Reservebehälter für Nafta am Auto aussen befestigen, Reservematerial plus Reserveöl und -wasser, das war's. Morgen solls fertig sein.

Gemütlich am Kaffee-Trinken, endlich den grössten Stress weg, da ruft der Anwalt wieder an, ob die Zahlung i.o. sei. Ich bin echt froh, dass er mich so viel unterstützt, nur tut es mir jeweils leid, dass ich einiges per Telefon nicht verstehe, die Verbindung schlecht ist, die Stadt Buenos Aires einfach verflucht laut ist und ich dementsprechend viel nachfragen muss. Er meint, wir hätten nach dem Autokauf sofort zur Versicherung gehen sollen, da das Auto jetzt über meinen Namen laufe. Wenn jetzt einer das Auto beim Mechaniker klaue oder etwas damit angestellt würde, wären wir (vor allem aber ICH) nicht versichert und dadurch verantwortlich. Na, das können wir jetzt auch nicht mehr ändern und wollen, dass das Auto endlich fertig ist. - - - das Schloss am Kofferraum ist übrigens immer noch nicht eingebaut. Morgen soll der Typ das dann scheinbar machen kommen, zudem bekämen wir morgen dann auch erst alle Papiere, da die Umschreibung noch gemacht werden müsse, also wieder in Caseros beim Verkäufer (das heisst jedes Mal über 1h Reisezeit).

Die Zürich-Versicherung haben wir dann nicht dort gefunden, wo die nette Frau am Tel mir die Adresse gegeben hat, sowie sie auch telefonisch nicht erreichbar war - Versicherungen eben!!! So sind Phil und ich halt noch zum Reisebüro um uns über die Fähren-Verbindungen in Feuerland schlau zu machen, aber das sei ein anderes Thema. Zudem haben wir "Swiss Medical" noch besucht (von denen wimmelt es hier nur so) um mich zu erkundigen, ob ich bei ihnen die Gelbfieber-Impfung machen könne, die ich für den Norden der Reise benötige. Dieser wollte mir gleich eine Offerte für eine Krankenversicherung machen, bis ich ihm dann danken erklärte, dass ich bereits eine Versicherung habe, bei der "Schweiz" drin sei und nicht nur auf der Verpackung stehe - da war er bisschen betucht der Beste und war auch froh, als wir wieder gingen... :)

Am Abend spät kam dann die unerwartete Nachricht des Anwaltes, dass wir uns am nächsten Tag um 9 Uhr vor der Garage des Autoverkäufers einfinden sollen.

Am Dienstag (27. 9.) fuhren wir um 7:20 Uhr los mit Bus, dann mit Zug nach Caseros. 9:00 Uhr ausnahmsweise pünktlich kam der Verkäufer mit seinem Auto und brachte uns zu einer Adresse ausserhalb der Stadt, dort befand sich das "ministerio de justicia de automotores" (Autoregisteramt), wo die Umschreibung des Fahrzeuges auf meinen Namen stattfinden sollte. Es ging zu und her (schon um 10 Uhr morgens) wie an der Wall-Street in New York, das heisst, vollgestopft mit Menschen die sich aus dem Weg drücken, der stärkere ist der schnellere und wird zuerst behandelt und doch irgendwo scheint ein System vorhanden zu sein. Dann begrüsste mich eine dicke (in diesem Gewimmel durchaus von Vorteil) Frau, sie sei die Claudia und sei vom Autoverkäufer beauftragt, mir bei den "Tramités" (Verhandlungen) zu helfen - zum Glück, alleine hätte ich dafür Tage gebraucht. Dann an der Theke, da gibt's nicht etwa Computer wo die Autos erfasst sind - nein - da gibt es Aktenschrank neben Aktenschrank und tausend Blätter und Dokumente und ein riesen Chaos. 8 Unterschriften, ein im "Gheu" verschluckter Pass und einige Stunden später dann doch nicht das gewünschte Ergebnis. Da fehle ein Blatt, die Bestätigung der Polizei meiner Adresse in Buenos Aires. Die habe ich doch schon eingereicht auf dem AFIP eine Woche früher, damit ich die CDI (ungefähr wie die ID in der Schweiz) erhielt. Diese reiche aber nicht, da sich die 2 Ämter untereinander nicht austauschen und nicht vertrauen. Ich müsse nochmal ein solches nachreichen, bis dann gehe gar nichts.

So fuhren Phil und ich zuerst zur Polizei um ein Doppel davon zu holen. Diese stellen aber nur Einzelexemplare aus (ach hätt ich doch eine Kopie gemacht!). Dann liefen wir halt zur AFIP um das Dokument kopieren zu lassen (sonst dauert es wieder 1 Tag länger bis die Abhandlungen fortfahren können). Die AFIP meint dann, dass wir für jedes Amt hier jeweils ein Original bräuchten, da funktiniere eine Kopie nicht. Also wieder zur Polizei und ein neuer Antrag auf ein solches Formular gestellt, und nochmals exakt das selbe wie eine Woche zuvor durchmachen - Die Scheiss-Bürokraten-Kacke hier, unglaublich!!!

Ein Lichtblick: Wenigstens erkennt die nette dicke Frau am Schalter bereits beim Betreten der AFIP mein Gesicht und ruft durch den ganzen Wartesaal "ah, el Suizo, Capelli ven ven" (Ah, der Schweizer, Käppeli komm komm ) mit entsprechender Handbewegung und Grinsen auf dem Gesicht, das heisst, ich hatte null und gar keine Wartezeit, und das ganze Spiel 2-3 Mal bis wir alle Blätter (die sie mir vor einer Woche unterschlagen hatten) erlangt hatten. Jetzt bin ich auch im Computer mit Namen und Passwort existent :)

Danach noch auf die Versicherungsgesellschaft "Zurich" um uns nochmals nach der Adresse zu erkunden für die Versicherungs-Abschliessung, die bisher noch nicht zustande kam, weil entweder das Auto fehlte, die Adresse falsch war, oder halt einfach sonst wieder etwas dazwischen kam, was hier inzwischen zum Alltag geworden ist.

Danach (ca 15 Uhr) sind wir erneut nach Caseros gefahren, da inzwischen unser Mechaniker mit allen Extra-Wünschen fertig war, um das Auto abzuholen. Wenigstens Einer im ganzen System der zu 100 % einhält, was er verspricht, ist zwar ein Bastler, macht aber seine Arbeit. Bezahlt und zudem 2 Tafeln schweizer Schoggi geschenkt. Der Schlossmacher (angestellt vom Verkäufer) sei 2-3 Stunden beim Mechaniker gewesen, habe das Kofferraumschloss aber nicht einbauen können. Am nächsten Tag sei dieses dann verfügbar. So fuhren wir erstmals mit dem Auto nach Hause!!! Ein tolles Gefühl, aber mit dem Nafta stimmt noch was nicht, entweder stellt der Karren am Rotlicht ab oder versäuft auf der Autobahn beinahe beim Gas geben.

Am Mittwoch (28.9.) neuen Mut gefasst brachten wir das Auto wieder unvorangemeldet zum Mechaniker . Dieser freute sich schon über das Wiedersehen, echt ein toller Typ :) Ihm haben wir alles erklärt, dieser ruft sogleich den Verkäufer an, was er zu tun habe. Dieser wiederum meldet uns bei seinem Gas-Mechaniker an.

Um 10 Uhr (mit bisschen Verspätung - schon an die argentinische Mentalität angepasst) stellten wir unser Auto beim Verkäufer ab, da der Schlosser auf diese Zeit geplant war. Ariel (der Verkäufer) meint dann aber, er komme erst um 14 Uhr. Jetzt wurde das Schloss-Einbauen von vor einer Woche jeden Tag mehr und mehr verschoben. In der Zwischenzeit haben Phil und ich einen Schlüsselhändler gesucht und die Schlüssel dupliziert, da der Verkäufer dies bisher ebenfalls noch nicht geschafft hat. Nachdem wir uns mit Hamburger, Pommes und Kaffee gestärkt hatten, sagten wir dem Verkäufer mit Nachdruck, dass wir keine Lust mehr haben zu warten, er solle jetzt sofort alles in die Wege leiten. So fuhren wir direkt zum "Gasheini" (ein 37-jähriger Mech) um die Standgas-Einstellung zu optimieren. Gesagt - Getan, dann zeigt uns dieser noch Fotos von seinen Jagdstunden auf dem Land und den eingelegten Kopf eines selbst gefangenen Krokodiles. Dann machten wir noch eine kurze Testrunde...

Nach Verabschiedung, vor dem Besteigen des Autos fällt Phil eine Wasserlache am Boden auf. Der Radiatior verliert Wasser - Toll!!! Ein Problem jagt das andere. Der Verkäufer weiss keinen Rat. Nochmals unseren Mechaniker des Vertrauens angerufen. Das Auto bleibt heute also beim Verkäufer in der Ausstellhalle, dort gehe der Mechaniker morgen das Auto holen und behebe das Problem. Der Verkäufer zudem sende uns eine Nachricht, wenn das Schloss funktionsfähig im Kofferraum eingebaut ist.

Am Donnerstag (29.9.) Morgen wieder frisch und munter sind wir erneut mit dem Zug (da das Auto beim Mechaniker ist) nach Caseros unterwegs. Der Radiator wurde geschweisst, verkitet, danach verklebt, also 3fach gesichert und soll laut Gustavo halten :) Das Schloss ist noch in Arbeit (der Typ nervt langsam mit seiner Unfähigkeit, bastelt doch schon über eine Woche am selben Problem rum), die Zigarettenanzünder sind verlegt (gebastelt, haben aber 12 Volt Spannung). Da ruft der Anwalt spontan an, ich soll zu ihm ins Büro kommen, das Formular der Polizei sei immer noch bei ihm. WAS?!? Das wollte doch die Schrulle (Agentin namens Claudia) gestern holen, damit die Papiere fertig gestellt werden können. "Nein, die sei nicht gekommen, das Papier liege immer noch beim Anwalt" (dabei sind Phil und ich doch gestern extra hin- und hergerannt deswegen.

Na gut, Phil und ich teilten uns auf, er legt ein Auge auf den Schlosser (damit der endlich arbeitet und nicht nur dumm rumsteht) und ich fahre mit dem Zug erneut nach BuenosAires zum Anwalt. Dieser regelt dann vorort glücklicherweise alles (bin echt froh, haben wir ihn), ruft bei Claudia an und erkundigt sich nach dem Stand. Sie habe das Problem mit den Papieren nun ohne diesen polizeilichen Nachweis gelöst und unsere Papiere seien bereit, sie werde sie heute Abend beim Verkäufer in Caseros hinterlegen, wir können sie morgen früh abholen. Schnell noch dem Autoverkäufer eine SMS geschrieben, dass dies auch sicher klappt! (Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser).

Zurück nach Caseros mit Zug. Phil war fleissig, hat Fensterputzmittel in Gebärdensprache ergattert (die alte Verkäuferin war sichtlich amüsiert über Phil's pantomimische Künste der Bück-Spritz-Wisch-in-die-Luft-Versuche) und machte noch letzte Installationen am Auto (Reserve-Schlüssel an Carosserie, Kleber über Fenster und Türramen geklebt etc.). Wir waren richtig effiziernt.

Am Abend besuchten wir spontan nochmals den Verkäufer um nochmals nachzufragen, ob mit den Papieren alles klappt. Und siehe da, per Zufall ist Claudia gleich bei ihm und händigt uns alles aus, endlich klappt auch das! Überglücklich und voller Vorfreude fuhren wir mit dem Auto wieder in die Stadt.

 

Heute Freitag (30.9.) packen wir alles reisefertig ins Auto und fahren zur Versicherungs-Prüfstelle. Gesagt – Getran, alles i.O. erhalten wir eine Nummer, die wir der Versicherung telefonisch angeben müssen, dann sei auch das letzte Papier bereit. Doch die Versicherung ist und ist nicht erreichbar. Also verabschieden wir uns noch von den netten Leuten in der Schule, machen noch von allen Dokumenten Kopien, besuchen Antonie (den Anwalt) um ihm die Originale zu geben (damit er anschliessend das Auto wieder verkaufen kann, auch falls uns alle Dokumente gestohlen werden sollten). Der Anwalt ruft schliesslich nochmals bei der Versicherung an, und siehe da, kommt nach ca 10 Versuchen durch, nennt die Nummer… müüüüp… klappt… müüüp… braucht nun 3-4 Tage bis dieses Dokument per Post bei uns im Briefkasten landet. Nein, wir MÜSSEN warten, bis wir das Original erhalten, dass es im Computer gespeichert ist reiche nicht aus, wir MÜSSEN das Original dabei haben, sonst können wir nicht über die Landesgrenzen etc. Was für eine Schei…!!!

 

Kurz aufgeregt zusammen mit Antonio und dann nochmals angerufen, ob sie uns die Dokumente anstatt nach Buenos Aires direkt nach Feuerland schicken könnten, im Voraus, dann können wir diese dort abholen. Nein, das gehe nicht! Aber wir bräuchten die Originale nicht, per Mail sollte reichen (diesmal war ein netter Herr am Apparat, nicht mehr die Schreckschraube Silvia, bei der wir unflexibel warten müssten). Na gut, ist uns jetzt auch egal, wir wollen endlich aus dieser Gross-Stadt und gehen nun ohne Versicherungs-Original, lassen es uns von Antonio zusenden.

 

Hier liegt übrigens auch der Knackpunkt der ganzen Geschichte. Ja, ich als Ausländer kann mir ein Auto kaufen hier, eine CDI-Aufenthaltsbewilligung geben lassen, ein Domicilium anmelden für den Post-Verkehr, aber eine Seguro (Versicherung) kann man nur mit einer nationalen Kreditkarte (also eine argentinische Bankkarte) bezahlen, nicht mit VISA oder MASTER-CARD, und hierfür braucht man dann einen Einheimischen (also hat Antonio für uns seine Daten zur Verfügung gestellt und wir haben ihm die Versicherung im Voraus bar bezahlt).

 

Endlich haben wir es GESCHAFFT!!! ;o) Und weg sind wir!! Ein tolles Gefühl… ! Und das obwohl das schweizer Konsulat uns von Anfang an gesagt hat, dass wir es gar nicht erst versuchen müssten und ihr Chef 7 Monate für das Selbe Spiel gebraucht hat, was wir nun in 3 Wochen vollbracht haben!!! Ätsch :oP (Juppiii, ätsch auch von Phil:)

Und das ist nun unser Auto :o)

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