30. Dezember 2011

Schlussendlich kommt alles gut. Das Auto wurde gestern morgen aufgeladen und zum Mechaniker gebracht. Mit dem Anwalt noch alle Dokumente besprochen und schliesslich alles auf den Mechaniker überschrieben, damit dieser das Auto verkaufen kann. Natürlich wieder mal argentinische Verhältnisse und Papierkrieg. Vom Anwalt musste ich zu einer anderen Anwältin, um das "blanco formular '08" auszufüllen, durch sie wurde es notariell beglaubigt. Heute morgen musste ich dann aber mit diesem Formular wiederum zur Legalisations-Stelle (staatlich) um beglaubigen zu lassen, dass die Anwältin auch tatsächlich notariell beglaubigen darf! Ich halte mal meine Klappe :)

Nun freue ich mich nur noch auf die Heimreise und das Wiedersehen mit all meinen lieben Menschen in der Schweiz :)

26. Dezember 2011

Über die bolivianische Grenze: Erst steht kaum was geschrieben bei der Ausreise aus Peru, wo man sich da nun melden muss, nur ein kleiner Fluss und viel zu viele Leute die wirr umherlaufen. Na gut, wir haben es schliesslich geschafft, den Stempel der Ausreise im Pass zu erhalten, dann fragte ich, wo denn der bolivianische Zoll sei um sich wieder anzumelden im neuen Land? „der sei 1,5h weiter im Landesinnern, das sei hier alles, wir können weiter“. Vor dem Zoll wechselten wir dann noch den peruanischen Sol gegen bolivianische Boliviano (Geldwechsel halt:). Kaum gewechselt kommt ein weiterer Beamter, ich bräuche noch diesen Zettel, und der koste 5 Sol (peruanisch). Also wieder zur Wechselstube und Geld zurückgewechselt. Dann über den Fluss hält uns die peruanische Grenzwächterin auf, sie bräuche noch Fotokopien von Pass / Auto und Führerschein. Diese konnte ich natürlich nur auf der peruanischen Seite des Flusses machen. Also nochmals zur Wechselstube und Boliviano wieder zu Soles machen. Dann endlich waren wir in Bolivien. Tja, denkste!!! Nach 1km kommt ein Polizeitposten, wo wir aus Vorsicht mal anhielten und den Beamten im Büro störten, wo denn der bolivianische Zoll sei. Dieser will den Stempel der Einreise im Pass sehen, tja, aber da ist noch keiner :) Er meint nur, wir seien ja „illegal“ in Bolivien. Wir bestachen ihn schliesslich mit 10 Boliviano (=1sFr) und einem Aspirin (der Ärmste hatte schliesslich Kopfschmerzen) :) Also ging’s nochmals zum Zoll zurück und siehe da, auf der Rückseite des Hauses versteckt war der bolivianische Zoll. Alles geregelt und dann schnell weiter. 1h Autofahrt weiter dann stand das Militär, wollten „nur“ den Stempel im Pass sehen. Hätten wir keinen gehabt, hätten sie uns natürlich ebenfalls eine Busse ausgesprochen, sie waren ganz schön verdutzt, als das doofe Stempelchen halt eben doch schon im Pass war. Ätsch!!!

Die nächsten Beamten an der Autobahn-Zahlstelle fragten uns dann, ob wir ihnen nicht was für ein Cola zu kaufen hätten?!? Schnell zog ich den letzten Fruchtsaft, der uns sowieso nicht schmeckte und bot ihnen diesen an. Sie konnten ja nicht „nein“ sagen und gaben sich damit zu frieden :) Und immer schön freundlich „feliz navidad“ (fröhliche Weihnachten) wünschen! :)¨

Ein weiteres Phänomen, schlussendlich 100te von Kindern über die Strassenränder verteilt, trotz Regen, geschützt durch einen kleinen Plastik kauerten die meisten zu kleinen Häufchen zusammengerückt am Strassenrand. Irgendwann hielten wir an um zu fragen, ob sie tatsächlich alle auf den Bus warteten? „Nein, auf die Geschenke, die fahrende Autos bald vorbeibringen sollen“. Und kaum hat der Regen aufgehört standen all diese Kinder winkend mit offener Hand und auf- und ab-Bewegungen näher am Strassenrand, teilweise musste man aufpassen, dass man sie nicht überfährt. An den Zahlstationen hängen sie einem halben ins Auto und betteln um Geld, sehr unangenehm. Aber eben, hier spürt man, dass Bolivien das ärmste Land Südamerikas ist, in den Städten ein Getummel, chaotisch, unübersichtilich, bettelnde Kinder mit der Begründung, dass doch „Weihnachten sei“, korrupte Polizei und Zollbeamte etc. Schnell wieder raus aus diesem Land!

Zu allem Übel kommt noch, dass kaum Benzin vorhanden ist… An der ersten Tankstelle meinte der Tankwardt, er dürfe keine Kanister füllen, die Regierung wolle das so. Erst nach bestechen füllte er sie dann doch. An der zweiten Tankstelle wurden wir dann komplett abgewiesen, sie dürfen Ausländer kein Benzin geben… An der dritten Tankstelle wiesen sie uns (immerhin VOR dem Tanken) darauf hin, dass Ausländer ca 2.5x den effektiven Preis des Benzines bezahlen müssen. Tja, Benzin braucht man, also mussten wir uns all das gefallen lassen… schmoll!!!

Heute am 26. Dezember haben wir dann die argentinische Grenze erreicht, zum ersten Mal glücklich argentinisches Gebiet zu betreten. Nur die Zollbeamten wollten mal wieder nicht mitmachen und forderten uns auf, das gesamte Auto leer zu räumen. Ich wollte natürlich gleich wieder den Chef sprechen, der halt leider auf dem Klo sass. Den haben sie dann aber auf mehrmaliges „Bitten“ dann auf dem Klo gestört (meinetwegen) und schliesslich liess sich die Einreise im Chefbüro dann ganz leicht lösen – ich erzählte ihm einfach die ganze Geschichte und ging die gesamte Dokumentation mit ihm am Computer durch, um Datum und Stempel auf ihre Richtigkeit zu prüfen! :o) Nun sind wir wieder in Argentinien und heilfroh, dass es definitiv keine Probleme mehr mit dem Auto nach sich ziehen kann… Eigentlich ein Glücksmoment :)

Montag: 20. Dezember 2011

Eine kleine, traurige Notiz am Ende unserer Reise. Meine Augen leuchten, da ich mich auf die Heimkehr freue, und dennoch starren sie auch nachdenklich vor sich hin... wir brechen die Reise ab, es geht nicht mehr weiter, 4 Länder von geplanten 7 werden wir nicht bereisen können, da unser Auto nun seit 4 Wochen keinen Wank mehr macht und auch schon zuvor 2 Wochen an einem Ort stand und auch sonst ca die halbe Reisezeit bei Mechanikern verweilte... Eine traurige Bilanz. Meine Stimmung ist momentan nicht so berauschend, wenn ich bedenke, dass es vielleicht eine einmalige Sache gewesen ist, eine Reise auf diese Weise zu unternehmen, was uns wohl noch in den Ländern Bolivien, Paraguay, Brasilien und Uruguay erwartet hätte, welche wunderschönen und endlich grün überwachsenen, seen- und abwechslungsreichen Abschnitte uns begrüsst hätten. Zugleich vergesse ich nichts der bisherigen Reise und es stimmt mich positiv und zufrieden, von so viel Glück erzählen zu können, überhaupt die Möglichkeit zu einer solchen Reise gehabt zu haben:) Es sind wie überall im Leben die 2 Seiten der Medaille, man kann fluchen und sich aufregen über die Pannen, die wir hatten und wir hatten genug davon... oder man ist schlicht und einfach dankbar... :) Ich wähle das zweite... Es war eine tolle Reise, und nun ist sie zu Ende und wir müssen die letzte Woche leider damit verbringen, dass wir noch ohne Schaden aus der Sache rauskommen, denn die Situation ist kompliziert! Das Auto steht in Peru, obwohl es dort gar nicht sein dürfte, wir kamen schlussendlich nur durch Lügen so weit, doch die Lüge fliegt auf, falls wir ohne Auto nach Argentinien zurückkehren ... Doch das ist eine andere Geschichte ;o)

Mittwoch: 14. Dezember 2011

Ich nehme alles zurück, von wegen Glück... Wir haben inzwischen definitiv mehr Pech als Glück gehabt... Und echt deprimiert bin ich nun...!! Wir sind wieder zurück in Peru, in dieser stinkenden, lauten, unordentlichen, hässlichen Stadt und wollen das reparierte Auto abholen. Aber das Auto ist unverändert, genau so wie wir es vor 2 Wochen verlassen haben. Der Grund: Die Leute hier haben ein riesen Problem, sie vertrauen niemandem...! Und sie vertrauten uns nicht, dass wir zurückkommen würden, also war es unmöglich Ersatzteile zu bestellen, wenn nicht vorher bar bezahlt wird, sprich, wir hätten erst ganz viel Geld hinterlegen müssen und dann wegfliegen sollen, aber das sagt einem ja keiner... so stehen wir nun wieder hier und warten erneut auf die Ersatzteile, obwohl sie nun über 2 Wochen Zeit für Reparaturen gehabt hätten. Ich hasse diese Scheiss-Mentalität hier und will nur noch weg von diesem Scheiss-System!!!


Dienstag: 6. Dezember 2011

Rio de Janeiro: Eine Stadt über deren aller Häusen auf über 700 m.ü.Meer eine übergrosse Jesus-Statue mit ausgebreiteten Armen seinen Segen über die Menschen ausstrahlt.

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Weit weg vom Autostress an einem neuen Ort, an einem Ort, von dem ich bisher nur von vielen Menschen gehört hatte, Bilder gesehen und Fernsehbeiträge geschaut habe, nun bin ich selber hier und es ist besser als auf den Postkarten. Die Strände gepflegt mit baigem Sand, weich und warm, das Wetter mild, sonnig, die Landschaft traumhaft mit vielen, grün überwachsenen Hügeln, eine Stadt mitten in den Urwald gebaut, den schroffen und harten Felswänden angepasst. An einigen sehr steilen Stellen können sich nur noch die Armenviertel (Favelas) halten, notdürftige Treppen, verwinkelte Nischen, viele spielende Kinder, Gestank mischt sich mit abblätterndem Kitt aus allen Löchern der Betonwände, die sämtliche Einblicke in die Privatsphäre der Familien die hier wohnen zulassen. Die Polizeipräsenz ist sehr gross, wohl nötig, und doch ist es tagsüber ungefährlich, so scheint es zumindest, man muss ja nicht gleich mit Kamera und Reiseführer durch die Favelas spazieren. Hier, an den steilen Berghängen wollen reiche Leute nicht wohnen, zu anstrengend, und doch hat es dermassen viele Felsen, dass sich die reiche Touristenstadt mit Armenvierteln zu einer riesigen Einheit vermischt, was der Stadt in meinen Augen schlussendlich auch den Charme gibt.